§ 78 SGB IX Assistenz- und Teilhabeleistungen

Aufsuchende ambulante Einzelhilfe

Die Einzelassistenz wird bei der Thelisi Coaching UG nicht als isolierte Maßnahme verstanden, sondern als strukturierter Unterstützungsprozess, der sich an den individuellen Teilhabezielen der leistungsberechtigten Person orientiert. Ausgangspunkt ist stets eine funktionale Betrachtung der Alltagssituation: Welche Anforderungen bestehen aktuell? Wo kommt es zu Überforderung, Vermeidung oder Abbruch? Welche Strukturen fehlen oder sind instabil? Auf dieser Grundlage wird gemeinsam mit der leistungsberechtigten Person ein Unterstützungsrahmen entwickelt, der realistisch, alltagsnah und anschlussfähig ist. 

Ein zentrales Merkmal der Einzelassistenz ist ihre Lebenswelt- und Sozialraumorientierung. Leistungen werden überwiegend dort erbracht, wo Teilhabe konkret stattfindet oder scheitert: im häuslichen Umfeld, im öffentlichen Raum, bei Terminen mit Behörden oder Bildungseinrichtungen sowie im unmittelbaren sozialen Umfeld. 

Die bewusste Entscheidung gegen eine rein raumgebundene Leistungserbringung trägt dem Umstand Rechnung, dass viele Teilhabebarrieren nicht im Gespräch, sondern in der praktischen Umsetzung entstehen. 

Die inhaltliche Ausgestaltung der Einzelassistenz folgt keinem starren Maßnahmenkatalog, sondern einer modularen Struktur, die flexibel an die jeweilige Bedarfslage angepasst wird. Typische Leistungsinhalte umfassen unter anderem die Unterstützung bei der Strukturierung des Tages- und Wochenablaufs, die Begleitung bei der Organisation von Aufgaben und Verpflichtungen, die Vorbereitung und Nachbereitung institutioneller Kontakte sowie die schrittweise Erschließung sozialer und gesellschaftlicher Ressourcen. Dabei wird bewusst darauf geachtet, Unterstützung nicht dauerhaft zu substituieren, sondern schrittweise Kompetenzen aufzubauen und Verantwortung zu übertragen

Umsetzung aus den Leistungsinhalten nach § 78 SGB IX

1) Strukturierung der Alltagsbewältigung und Tagesstruktur

  • Aufbau/Einübung von Tages- und Wochenplänen (Schlafrhythmus, Routinen, Verbindlichkeit)
  • Priorisieren und Zerlegen von Aufgaben in Mikroschritte (Prokrastination, Überforderung)
  • Unterstützung beim Starten und Dranbleiben (Aktivierungs- und Umsetzungsbegleitung)
  • Einüben von Selbstfürsorge-Routinen (Essen, Bewegung, Pausen, Stressregulation) als Teilhabevoraussetzung

2) Gestaltung sozialer Beziehungen & soziale Teilhabe

  • Unterstützung beim Kontaktaufbau/-erhalt (Kontaktanbahnung, Verabredungen planen, Nachkontakt)
  • Training/Anleitung in Kommunikation, Grenzen setzen, Konfliktlösung (alltagsnah, situationsbezogen)
  • Unterstützung beim Umgang mit sozialer Unsicherheit/Scham (Schrittfolgen, Expositionslogik im Alltag als Assistenz/Befähigung)
  • Erschließen von Freizeitaktivitäten und Teilhabeangeboten im Sozialraum (Vereine, Gruppen, Jugendangebote)

3) Teilhabe am gemeinschaftlichen und kulturellen Leben & Freizeitgestaltung

  • Planung, Auswahl und Umsetzungsbegleitung von Freizeit-/Sport-/Kulturaktivitäten
  • Begleitung in den Sozialraum, um Teilhabe praktisch zu ermöglichen (Ankommen, Orientierung, Ablaufstruktur)
  • Aufbau von Routinen, die Isolation reduzieren und Zugehörigkeit stärken

4) Unterstützung der Verständigung mit der Umwelt 

  • Vorbereitung von Gesprächen (Ziel, Ablauf, „Was sage ich wann?“), Rollenspiel, Nachbereitung
  • Unterstützung bei Interaktion mit Institutionen (Schule/Ausbildung, Behörden, Ärzt*innen, Beratungsstellen) – fokus auf Verständigung/Anliegen klären
  • Schriftliche Kommunikation im Alltag: Formulare verstehen, Antworten strukturieren, Unterlagen zusammenstellen (ohne Rechtsberatung)

5) Vor- und Nachbereitung sowie Begleitung institutioneller Kontakte

  • Strukturierte Vorbereitung (Unterlagen, Ziele, Gesprächsleitfaden)
  • Bei Bedarf Begleitung zu Terminen (Orientierung, Kommunikationsunterstützung, Nachbesprechung)
  • Nachbereitung: To-dos, Fristen, nächste Schritte, Transfer in den Alltag

6) Qualifizierte Assistenz: Befähigung durch Anleitung und Übungen (explizit §78 Abs. 2 Nr. 2)

  • Anleitung/Übungen zur Selbstorganisation (Planungsroutinen, Tool-Nutzung)
  • Alltagstraining zu Stress- und Emotionsregulation, um Teilhabe zu ermöglichen (Skills in realen Situationen anwenden)
  • Schrittweise Kompetenzaufbau-Programme (z. B. „3-Wochen-Plan“ für Tagesstruktur / Kontaktaufbau)
  • Transferarbeit: „Üben – anwenden – auswerten – anpassen“

7) Flexible Intensität, Krisen- und Übergangsmanagement (im Rahmen der Assistenz)

  • Temporäre Intensivierung bei Übergängen (Schulwechsel, Auszug, Ausbildungsbeginn) oder Belastungsspitzen
  • Stabilisierung durch kurzfristige Zusatzkontakte (strukturierend, handlungsorientiert)
  • Schnittstellenklärung: wann zusätzliche Hilfen nötig sind (Weiterleitung/Koordination, keine Therapie)

 

Gruppen

Die Thelisi UG ergänzt die Einzelassistenz als Kernleistung bewusst um zwei niedrigschwellige Befähigungsgruppen. Diese Gruppen sind nicht als 
„Zusatzangebot“ im Sinne einer freiwilligen Erweiterung konzipiert, sondern als strategisch integrierter Leistungsbaustein, der zentrale Wirkfaktoren der 
Einzelassistenz stärkt: Kontinuität, Kompetenzaufbau, Transfer in den Alltag sowie soziale Teilhabe.

Gerade in der Altersgruppe 16 bis 27 Jahre haben 
Gruppenangebote einen besonderen Stellenwert, weil viele Teilhabebarrieren nicht allein aus fehlender Alltagskompetenz entstehen, sondern aus Scham, 
sozialer Unsicherheit, mangelnder Übung in Interaktion, fehlender Routine und internalisierten Misserfolgserfahrungen. Gruppen bieten hier einen 
Rahmen, in dem Entwicklung durch Modelllernen, Peer-Spiegelung und gemeinsame Erprobung möglich wird. 

Die Gruppen der Thelisi UG sind als Befähigungsgruppen angelegt. Das bedeutet: Sie zielen nicht auf „Beschäftigung“, nicht auf Symptomarbeit und nicht 
auf therapeutische Prozesse, sondern auf konkrete, beobachtbare Kompetenzgewinne, die im Alltag wirksam werden.

 

Gruppenkonzept

Die Gruppen der Thelisi Coaching UG sind als Befähigungsgruppen angelegt. Das bedeutet: Sie zielen nicht auf „Beschäftigung“, nicht auf Symptomarbeit und nicht auf therapeutische Prozesse, sondern auf konkrete, beobachtbare Kompetenzgewinne, die im Alltag wirksam werden. 

Die Gruppen sind niedrigschwellig, weil sie keine hohe Selbststeuerungsleistung voraussetzen, keine Vorleistung in Form komplexer Hausaufgaben verlangen und Teilnehmende dort abholen, wo sie aktuell stehen. 

Gleichzeitig sind sie strukturiert und verbindlich, um genau jene Stabilität zu fördern, die vielen jungen Menschen in der Zielgruppe fehlt. Systemische Funktion im Gesamtkonzept: Normalisierung und Entstigmatisierung, Kompetenzaufbau durch Wiederholung, soziales Lernen und Peer-Effekte, Transfer in den Alltag, wirtschaftlicher Hebel ohne Qualitätsverlust. 

 

Grundstruktur: Gruppengröße 4 bis 6 Teilnehmende, Dauer 90 Minuten, Frequenz 1x wöchentlich, Durchführung durch qualifizierte Fachkräfte, Dokumentation als Kurzprotokoll plus Transfermarker. Indikationslogik: Gruppen sind sinnvoll bei ausreichender Grundstabilität; bei akuter Krisendominanz werden Gruppen zunächst zurückgestellt. 

 

Angebotene Gruppen

  • Befähigungsgruppe I „Alltag & Struktur“: Ziel ist handlungsfähige Grundstruktur (Tagesrhythmus, Wochenplanung, Post/Fristen, Haushaltsbasics, Selbstfürsorge, Umgang mit Prokrastination). Methodik: Struktur-Scaffolding, Mikroschritte, Planungsroutinen, Verbindlichkeitsanker, Transfervereinbarungen. Sitzungsaufbau: Check-in, Transferreview, Tool-Input, Übungsphase, Transferplanung. 

 

  • Befähigungsgruppe II „Sozialkompetenz & Teilhabe“: Ziel ist soziale Handlungsfähigkeit trotz Unsicherheit (Kontakt, Kommunikation, Grenzen, Konflikte, Sozialraum). Methodik: skills-orientierte Kommunikation, niedrigschwellige Rollenspiele, Sozialraumaufgaben, strukturiertes Peer-Feedback. Sitzungsaufbau: Sicherheitsrahmen, Wochenrückblick, Skill-Fokus, Erprobung, Transferplanung

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